25. Januar 2012
† Theo Angelopoulos (Θόδωρος Αγγελόπουλος)
17. April 1935 – 24. Januar 2012
Ein kurzer Ausschnitt aus »Der Bienenzüchter« (Ο Μελισσοκόμος) von 1986 mit Marcello Mastroianni – eine Hommage an einen der Grossen des europäischen Kinos.
M. Schumann
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18. Januar 2012
Disco No. 11
Impressionen von der Frankfurter Buchmesse 2011
Rigidingrigidingrigidigidigiding – das junge blonde Mädchen mit der viel zu großen Brille skandiert mit beiden Zeigefingern einen Dancefloorfeger der Jahrhundertwende und schaut rhythmisch entrückt. Etwas weiter vorne im Getümmel schreit SPIEGEL-Kulturchef Matthias Matussek dem Kisch-Preis-Träger Alexander Osang etwas ins Ohr. Der Worte sind an einem anstrengenden Messetag in Frankfurt genug gewechselt und die Büchermädchen und die Jungs mit den Bärten und Nerdbrillen wollen tanzen. Man sieht sogar Sneakers zum Anzug – you’re so Berlin, yeah! Wo sonst Frankfurter Bankangestellte den Frust der Eurokrise wegschütteln wollen, im schicken »Velvet Club« feiert der Piper Verlag die Buchmesse. Es ist schon so, daß sich Form und Inhalt paaren.
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Es gibt ja diese kleinen Spielzeugpappdinger, mit denen man Worte zusammensetzen kann, zum Beispiel Schimpfworte. Das sind dann 3 oder 4 kleine Rädchen, an denen man drehen muß, damit sich in Fenstern die Wortteile zusammensetzen. Dann kommt dabei so was Putziges raus wie »Blöd-stink-gesicht« oder Ähnliches. Es ist höchst wahrscheinlich, daß die Verlage, die diese historischen Romane Jahr für Jahr herausbringen, solche kleinen Papprädchen für ihre Titel haben. Auf dem ersten Rädchen stehen dann Dinge wie »Die Frau«, »Der Weg« oder »Die Spur«, in der Mitte ist dann die passende Konjunktion eingedruckt, und dann kommen die Signalworte wie »Papst«, wahlweise »Päpstin« oder »Falke«. Kann man gut probieren: »Die Frau des Ritters« – exzellent! – »Die Frau des Papstes« – noch besser! – »Der Weg der Päpstin« – Erfolgstitel 2013.
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Manch einer mag sich noch an die »Edition Suhrkamp« erinnern. Da erschienen dann Titel wie Theodor W. Adornos »Minima Moralia« oder Thomas Bernhards Novelle »Ja«, und hübsch waren die Bändchen auch, der Schutzumschlag war vom Meister Willi Fleckhaus selbst gestaltet. Die Edition hieß nach dem Verleger, der setzte seinen guten Namen unter das Werk. Sozusagen eine signifikante Buchreihe. Heute ist die Hälfte des Random House-Standes mit Plakaten einer »Edition Heidenreich« tapeziert. Da gibt dann ein plaudriges Fernsehgesicht (»Meine beiden Leidenschaften: Musik und Bücher«) seinen Namen für Titel wie »Der stumme Pianist« und »Ich hänge im Triolengitter«.
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Die Mienen sind erwartungsvoll und die gut zwei Dutzend Menschen, in der Überzahl Frauen, blicken auf die Bühne eines ziemlich großen Standes. Sind das etwa die gleichen Büchermädchen, die in der Nacht zuvor im coolen Velvet die Glieder schwenkten? So ganz ist das nicht auszuschließen, aber auch nicht nachweisbar, schließlich war es da ziemlich dunkel. Auf der Bühne steht ein drahtiger Anfangsfünfziger in einem sehr blauen Hemd und hat ein Headset auf. Es ist Robert Betz, das kann man auf den Tafeln lesen, die überall hängen. Auf denen steht der Name und man sieht seinen Kopf. Das Headset fehlt, dafür hat er eine Brille auf, auf dem Bild. Eines seiner Bücher heißt »Willst du normal sein oder glücklich?« Das Geschäft scheint zu laufen, so große Stände hat sonst Bertelsmann oder so. Der glückliche Herr Betz sagt wirklich erbauliche Dinge: »Und wissen sie was, ich sage ihnen eins: Gefühle müssen gefühlt werden.« Das ist wirklich stark.
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Drei kleine Männer: Reinhold Messner ist ein ziemlich kleiner Mann, den man, flankiert von seinem Gefolge, im Getümmel fast übersieht. Eugen Ruge ist auch recht klein, nur hat der kein Gefolge. Immerhin hat er den Buchhandelspreis gewonnen für sein spätes Debüt »In Zeiten des abnehmenden Lichts« bei Rowohlt.
Ein gefeiertes Buch, sprachlich fein, aber wohl auch nicht so groß wie seine Lorbeeren. Vielleicht sollte man das im HHF besprechen. An dem geradezu winzigen Stand des Hamburger Instituts für Sozialforschung, der kaum mehr als eine Abseite ist, sitzt ein weiterer kleiner Mann mit Bart und Brille. Es ist zwar seltsam, aber Jan-Philipp Reemtsma zu photographieren, ist unmöglich. Zuviel Zurückhaltung.
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Alice Schwarzers beste Freundin ist Margarete Mitscherlich, das erzählt sie Frank Schirrmacher und einer großen Menschentraube am FAZ-Stand. Eva Mattes ist später dort, sie hat ein Buch geschrieben. Was wirklich schlimm ist, ist diese unglaubliche Mattesche Schauspielerinnen-Aura, die auch noch im Zwischengang zu spüren ist. Wie auf der Bühne bei Peter Zadek damals, nur Jahre später und näher dran.
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Ach, diese Engländer. Da haben sie zwar Jahrhunderte die Welt kolonisiert und ziemlich viele Sachen mit nach Hause gebracht. Aber Geschmack haben sie. Der Direktor des British Museum, Neil MacGregor, trägt einen grauen Anzug aus der Jermyn Street, Maßschuhe und entspricht auch sonst der Vorstellung des britischen Gentleman. Er plaudert gewitzt und gelehrt über sein denkwürdiges Geschichtsbuch »Die Geschichte der Welt in 100 Objekten«, ein so dicker Wälzer, daß er nicht auf den Coffee-Table paßt. Wie Dinge aus einem Museum ihre Geschichte erzählen, ist bemerkenswert und warum vorher noch keiner auf diese Idee gekommen ist, verwunderlich.
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Kleistjahr ist ja auch. Sogar im Fernsehen. Da gibt es einen Trailer auf 3Sat, der auf einen Kleistfilm zum Todestag hinweist. Schlußbild: Ein Mann, wohl die Kleistfigur, sitzt mit einem Laptop im Baum, dazu Kleistbriefe aus dem Off. Manchmal sind Spartenkanäle auch nicht das Wahre. Wobei das anschließnde Gespräch mit Adam Soboczynski und Günter Blamberger, beide mit Kleisttiteln auf der Messe, das reine Vergnügen an Kennerschaft und Eloquenz ist, sogar Moderatorin Tina Mendelsohn ist gut informiert.
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Zwei Tage nach der Piper-Party postet Matthias Matussek auf Facebook: »Was für ein schöner stiller Morgen!« Er ist in der Benedektinerabtei Maria Laach.
Ein paar der mitgebrachten Bücher
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Eugen Ruge:
In Zeiten des abnehmenden Lichts
Eva Mattes:
Wir können nicht alle wie Berta sein«:
Erinnerungen
Neil MacGregor:
Die Geschichte der Welt in 100 Objekten
Adam Soboczynski:
Kleist. Vom Glück des Untergangs
Günter Blamberger:
Heinrich von Kleist: Die Biographie
M. Schumann
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16. Januar 2012
»Das Thalia ist ein Geschenk.«
Dritter und letzter Teil des grossen HAMBURGER FEUILLETON-Interviews mit dem Thalia-Geschäftsführer und Autor Ludwig von Otting
Im dritten Teil unseres Interviews äußert sich Ludwig von Otting zu Vergangenheit und Zukunft in der Hamburger Kulturpolitik und beschreibt seine persönlichen Bühnenleidenschaften. Unseren bereits veröffentlichten 13-minütigen Interview-Film »Der Ermöglicher« finden sie auf dieser Seite des HAMBURGER FEUILLETONS.
Stichwort Hamburger Kulturpolitik: Das muss natürlich kommen, wir haben eine hartes Jahr hinter uns (Anmerkung: Das Interview wurde im März 2011 geführt), mit den ganzen Schauspielhausquerelen, von ihnen stammt dieses sehr deftige Zitat mit dem »rostigen Nagel im Kopf«. Gab’s da ein Feedback, kam da was zurück von der Behörde?
Nein, überhaupt nicht. So ein paar Behördenmitarbeiter haben mir zugeflüstert, dass sie das Klasse gefunden hätten. Aber das Zitat, das muss man dazu sagen, war gemünzt auf den Finanzsenator und auf keinen anderen, von dessen Haushaltsdirektor stammt eigentlich dieser Satz, dass er nicht versteht, warum die Staatstheater Subventionen brauchen, wo der »König der Löwen« ohne Subventionen auskommt.
Die reagieren nie auf so was. Ich weiß zwar, dass ich in der Kulturbehörde eine dicke Personalakte habe. Frau von Welck hat mir mal irgendwelche polemischen Verfehlungen vorgehalten, die echt 15 Jahre zurück lagen, die in der Zeitung damals zitiert worden waren. Das sammeln die alles.
Ein Dossier von Otting?
Eine Personalakte. Das ist ja erst mal ein normaler Vorgang. Und als ich erfuhr, dass ich eine habe – ich wusste das gar nicht – habe ich gebeten, sie mir zu zeigen, und dann haben die mir dann dieses dicke Ding vorgelegt. Dann hab ich gesagt, Leute, steckt’s wieder weg, ich will’s gar nicht sehen.
Hat sich was verändert, wir haben eine Wahl gehabt? Ist die Krise jetzt vorbei?
Sagen wir mal, wir haben ganz gute Chancen auf eine professionelle Behördenleitung, das macht erst einmal gute Laune. Aber was daraus wird, das weiß der liebe Himmel. Ich bin da vorsichtig. Die Gescholtenen sind oft die diejenigen, denen man hinterher am dankbarsten ist, und die von allen gehyped und geliebt werden, sind oft die, die man am wenigsten achtet, da habe ich schon sehr verschiedene Sachen erlebt. Müssen wir mal abwarten
Ist die neue Kultursenatorin Barbara Kisseler so eine Art Hoffnungsträgerin für die Hamburger Kulturszene?
Naja, die Hoffnung wird ja, wenn man so will, vom Bürgermeister getragen. Der hat tatsächlich der Kultur demonstrativ den Rang eingeräumt, zu sagen, ich brauche da eine gute erste Besetzung und hat das dann auch umgesetzt.Das macht einem schon Hoffnung, wenn Kultur nicht das letzte Ressort ist, wo sie monatelang irgendwen suchen und dann aus irgendeinem Winkel irgendjemand hervorzerren, der dann diesen Job macht.
Da haben wir ja auch eine leidvolle Geschichte hier in Hamburg …
Leidvolle Geschichte, ja. Man kann aber auch einen sehr tollen Kultursenator haben, über den man sich persönlich schwarz ärgert, weil der vielleicht andere Sparten oder Institute bevorzugt. Wir haben gottseidank mit denen nicht soviel zu tun.
Um mal die Kirche im Dorf zu lassen, die Kulturbehörde muss erstens den Intendanten bestimmen alle 5 Jahre, dann ist das wichtigste Kapitel abgeschlossen, und dann müssen die zusammen mit dem Aufsichtsrat darüber wachen, das wir unser Geld anständig ausgeben, aber das ist eigentlich auch nur ein darüber wachen, und wenn wir das anständig machen, dann mischen die sich auch nicht weiter ein.
Und dann gibt’s 3. immer mal ein paar Sonderprobleme, am Rande und drum herum, da gibt’s in der Behörde ein paar Leute, die sehr hilfreich sind, die man fragen kann.
Da sind sicher etliche kompetente Figuren in der Behörde, die haben halt in letzter Zeit nicht mehr sehr gut zusammengearbeitet, unter den verschiedenen Leitungen brach das alles ein und wurde immer grösser.
Frau von Welck hatte den Apparat nochmal aufgeschwellt, für eine Million neue Stellen geschaffen – vollkommen wahnsinnig – das sind jetzt hunderte von Menschen in dieser Behörde. Sie haben für jeden Staubfussel ein eigenes Referat, ein Sekretariat und so, aber der Output ist eher überschaubar.
Nun gibt es offenbar die Pläne, den Riesenballon, die Elbphilharmonie, diesen Etat vielleicht in eine andere Behörde zu verlagern. Das kann unter Umständen vielleicht entlasten …?
Das ist ja wurscht, wenn die das von der Brusttasche in die Seitentasche oder in die Hosentasche schieben.
Hamburg muss dafür zahlen, die müssten einen Betriebshaushalt herzaubern und pro Jahr bestimmt einen zweistelligen Millionenbetrag aufbringen, um diese Institution überhaupt vernünftig zu führen.
Das ist schon ein enormes Kuckucksei, was sich die vorige Regierung da geleistet hat, ohne tatsächlich die Kosten zu überblicken, ohne sie kontrollieren zu können. Das ist handwerklich das größte Desaster, von dem ich jemals aus so einer Nähe Kenntnis genommen habe.
Zurück zum Theater – gibt es Stücke, die so richtig kleben geblieben sind über die Jahre?
Natürlich eine ganze Reihe von Inszenierungen gibt es, die für mich persönlich sehr wichtig sind, und große Erlebnisse waren. Es gibt jedes Jahr ein, zwei Inszenierungen die ich großartig finde. Ich bin jemand, der ins Theater geht und an irgendeiner Ecke aufgeregt werden möchte. Ich möchte nicht beruhigt werden, nicht erhoben werden, ich möchte eine Szene sehen, die mich total überrascht, eine Figur sehen, die so ist, wie ich sie noch nie gesehen habe in der Rolle.
Als Beispiel: Fritz Lichtenhahn als Zettel im Sommernachtstraum von Gosch in 1987. Das war keine durchgehend geglückte Aufführung, aber dieser Fritz Lichtenhahn ist mir – da gibt es einen Monolog von Zettel, wo der erwacht aus seinem Traum – der ist mir so unvergessen, dass ich häufig – zuletzt übrigens heute morgen – daran denken muss. Das ist einer der ganz großen Theatermomente meines Lebens.
Dann kommen natürlich Arbeiten von Flimm, sein Platonov, auch früher schon, in der Gobert-Zeit, gab es Flimm-Aufführungen, »Soldaten« und »Eduard II.« und so was, die für mich einfach zum Fundus dessen gehören, was meine Erinnerungsexistenz ausmacht. Und dann Wilson, natürlich »Black Rider«, das ist für mich mein Produktionsgroßereignis gewesen, weil ich da auch persönlich sehr stark am Zustandekommen beteiligt war. Das geht hin bis zu Kriegenburg, von dem es großartige Aufführungen, wie »Die schmutzigen Hände« oder »Das letzte Feuer« gab, die ich wahnsinnig geliebt habe.
Mit die besten Aufführungen von Kriegenburg waren in der Gaußstrasse, die hat, etwas pointiert gesagt, kein Mensch gesehen, da gab es mal so eine Reihe von Kurzinszenierungen, das »Magazin des Glücks«, Texte von Dea Loher. Zum Beispiel der Monolog, wo Markward Müller-Elmau hinter einer Milchglasscheibe die Frau von Helmut Kohl gespielt hat, klingt nach einem schlechten Scherz, war’s aber nicht. Das war einer der bewegendsten und berührendsten Momente, die Frau, die durch ihre Lichtallergie daran gehindert war, die Welt noch wirklich wahr zu nehmen …
Es gibt aber auch in dieser Ägide Inszenierungen, die ungeheuer wichtig sind, ich finde der »Woyzeck« von der Jette Steckel ist so eine Aufführung. Ich bin sehr glücklich, dass Luk Perceval jetzt hier ist, dessen »Hamlet«, dessen »Othello«, sind unfassbar gute Aufführungen. Ich kann mich immer wieder neu entzünden, deswegen bin ich am Theater, weil ich mich so gern in Flammen setzen lasse, weil ich das genieße. Ich genieße es aber auch, wenn ich heulen kann im Theater. Wenn es richtig zur Sache geht, können sie mich Rotz und Wasser heulen sehen, und ich amüsiere mich auchgerne. Ich liebe die Schauspieler und die Regisseure dafür, da geht so richtig mein ganzes Herzblut rein.
Bei dieser Begeisterung, wie wird das sein, wenn sie einmal nicht mehr direkt an so einem Haus arbeiten, wird das schwer werden für sie?
Ich freu mich darauf, wenn ich mal endlich Theater sehen kann, ohne dafür immer verantwortlich zu sein oder es aus einem Konkurrenzblick zu sehen. Ich geh jetzt schon sehr gern in andere Theater, wo ich einfach entspannt was gucken kann, wo ich auch Inszenierungen sehen kann, die ich toll finde, wo aber die Leute rausgehen in Scharen, was ja bei mir im Theater doch ziemliche Kopfschmerzen macht, ich hab’s gar nicht gern, wenn die Leute die Aufführungen hassen.
Theater ist nicht immer Herzblut, es ist auch manchmal Galle, ich ärgere mich auch oft über unseren eigenen Kram, ich genier mich oft in Grund und Boden und ich warte halt immer wieder darauf, dass ich angezündet werde, dass es mich zu Tränen rührt und das passiert auch immer wieder. Ich bin froh, wenn ich neue Inszenierungen sehe, Handschriften entdecken kann und neue Zugänge finden kann, zu Stücken die ich schon x-mal gesehen habe
Gibt es noch andere Kollegen, bei denen Kunst und Verwaltung ähnlich eng verzahnt sind.
Die haben alle irgendwie ne kleine Neigung zur Kunst, mal mehr, mal weniger. Die meisten sind eher ein bisschen trocken natürlich, der Typus verhinderter Künstler, der ich bin, der ist nicht der Regeltypus.
Wär das ein Job gewesen, wenn jemand gesagt hätte: Retten sie das Schauspielhaus?
Das kam ja immer wieder, Flimm hatte ja schon Angebote, das Schauspielhaus zu übernehmen. Als ich so Mitte 40 war, hab ich gedacht, das wär eine Aufgabe, inzwischen denk ich mir, das muss ich mir nicht mehr antun.
Das ist ein schweres Haus, oder?
Viel schwerer als das Thalia, das Thalia ist ja ein Geschenk. Das Schauspielhaus ist eine Aufgabe, das Thalia ist ein Geschenk.
Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das Gespräch!
Da nich für …
M. Schumann
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9. Januar 2012
Eherne Gesellen
Eine kurze Polemik zu einem konservativen Begriff
Da ist es wieder, das »Stahlgewitter«. In der Causa Guttenberg zog es unvermittelt auf, der einsame Kämpfer stand im Trommelfeuer der Geschütze des Erbfeindes, er stand eisern gegen den Gegner. Ein Held, bis heute im Felde ungeschlagen geblieben ist. Eine Nichtigkeit ist der Ansturm des Feindes, so man aufrecht kämpft. Und erneut tobt die Schlacht in den Gräben – der Präsident der Republik sieht sich in diesem Unwetter die Stellung haltend und erwartet, daß das stählerne Unwetter bald vorüberzieht. Auch er ein Kämpfer, ein Krieger.
Seltsamerweise sind es die weichen Männer, die öffentlich Sanftmütigen, die sich dem markigen Wort hingeben. Der schwächliche, unter der Doppelbelastung von Familie und Beruf stehende Ex-Verteidigungsminister genauso wie der verarmte Recke Christian Wulff, dessen Finanzierungsjonglagen so fremdbestimmt sind, wie sie nur sein können. In konservativeren Zeiten, in die diese Männer sich offenbar hineindenken, blieb dann in der Regel das Nebenzimmer mit der geladenen Mauser. Oder der Dolchstoß.
Nun sind wir glücklicherweise eine Republik, der es an solchen Mannbarkeitsriten mangelt. Eine Sehnsucht, zu zeigen, daß es nach dem Versagen noch männliche Stärke gibt, scheint sich immerhin noch in der bundesdeutschen Sprache konserviert zu haben. Echte Helden eben. Ein kurzer Blick in Ernst Jüngers erstes Werk, das dieses Wort prägte, spricht für das Selbstverständnis der geschlagenen Kämpfer:
»Und doch hat auch dieser Krieg seine Männer und seine Romantik gehabt! Helden, wenn das Wort nicht wohlfeil geworden wäre. Draufgänger, unbekannte, eherne Gesellen, denen es nicht vergönnt war, vor aller Augen sich an der eigenen Kühnheit zu berauschen. Einsam standen sie im Gewitter der Schlacht, wenn der Tod als roter Ritter mit Flammenhufen durch wallende Nebel galoppierte.«
Und dann sagte der »Untertan«, der Vater aller Speichellecker Diederich Heßling: »Sachlich sein, heißt deutsch sein«. Ja, ja.
M. Schumann
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