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Das, was kommen kann …

† Theo Angelopoulos (Θόδωρος Αγγελόπουλος)

Disco No. 11

»Das Thalia ist ein Geschenk.«

3. Oktober 2011

Das, was kommen kann …

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25. Januar 2012

† Theo Angelopoulos (Θόδωρος Αγγελόπουλος)

17. April 1935 – 24. Januar 2012


Ein kur­zer Aus­schnitt aus »Der Bie­nen­züch­ter« (Ο Μελισσοκόμος) von 1986 mit Mar­cello Mas­troi­anni – eine Hom­mage an einen der Gros­sen des euro­päi­schen Kinos.

M. Schu­mann

Rubriken: Bewegte Bilder | Kommentare (0)

18. Januar 2012

Disco No. 11

Impres­sio­nen von der Frank­fur­ter Buch­messe 2011

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Aufm Schirm (Bild: HHF)

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Meine beste Freun­din Mar­ga­rete Mit­scher­lich sagt auch … (Bild: HHF)

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Fee­lings, not­hing but fee­lings (Bild: HHF)

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Die Ent­ste­hung der Welt (Bild: HHF)

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Offen­bach ist ja auch nicht weit (Bild: HHF)

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Ach, Eva! (Bild: HHF)

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Frank­furt Book Fair Fashion Award 2011 (Bild: HHF)

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Kleist auf dem Sofa (Bild: HHF)

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Es ist nicht Matus­sek … (Bild: HHF)

Rigi­ding­ri­gi­ding­ri­gi­di­gi­di­gi­ding – das junge blonde Mäd­chen mit der viel zu gro­ßen Brille skan­diert mit bei­den Zei­ge­fin­gern einen Dance­floor­fe­ger der Jahr­hun­dert­wende und schaut rhyth­misch ent­rückt. Etwas wei­ter vorne im Getüm­mel schreit SPIEGEL-Kulturchef Mat­thias Matus­sek dem Kisch-Preis-Träger Alex­an­der Osang etwas ins Ohr. Der Worte sind an einem anstren­gen­den Mes­se­tag in Frank­furt genug gewech­selt und die Bücher­mäd­chen und die Jungs mit den Bär­ten und Nerd­bril­len wol­len tan­zen. Man sieht sogar Snea­kers zum Anzug – you’re so Ber­lin, yeah! Wo sonst Frank­fur­ter Bank­an­ge­stellte den Frust der Euro­krise weg­schüt­teln wol­len, im schi­cken »Vel­vet Club« fei­ert der Piper Ver­lag die Buch­messe. Es ist schon so, daß sich Form und Inhalt paaren.

*

Es gibt ja diese klei­nen Spiel­zeug­papp­din­ger, mit denen man Worte zusam­men­set­zen kann, zum Bei­spiel Schimpf­worte. Das sind dann 3 oder 4 kleine Räd­chen, an denen man dre­hen muß, damit sich in Fens­tern die Wort­teile zusam­men­set­zen. Dann kommt dabei so was Put­zi­ges raus wie »Blöd-stink-gesicht« oder Ähn­li­ches. Es ist höchst wahr­schein­lich, daß die Ver­lage, die diese his­to­ri­schen Romane Jahr für Jahr her­aus­brin­gen, sol­che klei­nen Pap­präd­chen für ihre Titel haben. Auf dem ers­ten Räd­chen ste­hen dann Dinge wie »Die Frau«, »Der Weg« oder »Die Spur«, in der Mitte ist dann die pas­sende Kon­junk­tion ein­ge­druckt, und dann kom­men die Signal­worte wie »Papst«, wahl­weise »Päps­tin« oder »Falke«. Kann man gut pro­bie­ren: »Die Frau des Rit­ters« – exzel­lent! – »Die Frau des Paps­tes« – noch bes­ser! – »Der Weg der Päps­tin« – Erfolgs­ti­tel 2013.

*

Manch einer mag sich noch an die »Edi­tion Suhr­kamp« erin­nern. Da erschie­nen dann Titel wie Theo­dor W. Ador­nos »Minima Mora­lia« oder Tho­mas Bern­hards Novelle »Ja«, und hübsch waren die Bänd­chen auch, der Schutz­um­schlag war vom Meis­ter Willi Fleck­haus selbst gestal­tet. Die Edi­tion hieß nach dem Ver­le­ger, der setzte sei­nen guten Namen unter das Werk. Sozu­sa­gen eine signi­fi­kante Buch­reihe. Heute ist die Hälfte des Ran­dom House-Standes mit Pla­ka­ten einer »Edi­tion Hei­den­reich« tape­ziert. Da gibt dann ein plaud­ri­ges Fern­seh­ge­sicht (»Meine bei­den Lei­den­schaf­ten: Musik und Bücher«) sei­nen Namen für Titel wie »Der stumme Pia­nist« und »Ich hänge im Trio­len­git­ter«.

*

Die Mie­nen sind erwar­tungs­voll und die gut zwei Dut­zend Men­schen, in der Über­zahl Frauen, bli­cken auf die Bühne eines ziem­lich gro­ßen Stan­des. Sind das etwa die glei­chen Bücher­mäd­chen, die in der Nacht zuvor im coo­len Vel­vet die Glie­der schwenk­ten? So ganz ist das nicht aus­zu­schlie­ßen, aber auch nicht nach­weis­bar, schließ­lich war es da ziem­lich dun­kel. Auf der Bühne steht ein drah­ti­ger Anfangs­fünf­zi­ger in einem sehr blauen Hemd und hat ein Head­set auf. Es ist Robert Betz, das kann man auf den Tafeln lesen, die über­all hän­gen. Auf denen steht der Name und man sieht sei­nen Kopf. Das Head­set fehlt, dafür hat er eine Brille auf, auf dem Bild. Eines sei­ner Bücher heißt »Willst du nor­mal sein oder glück­lich?« Das Geschäft scheint zu lau­fen, so große Stände hat sonst Ber­tels­mann oder so. Der glück­li­che Herr Betz sagt wirk­lich erbau­li­che Dinge: »Und wis­sen sie was, ich sage ihnen eins: Gefühle müs­sen gefühlt wer­den.« Das ist wirk­lich stark.

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Drei kleine Män­ner: Rein­hold Mess­ner ist ein ziem­lich klei­ner Mann, den man, flan­kiert von sei­nem Gefolge, im Getüm­mel fast über­sieht. Eugen Ruge ist auch recht klein, nur hat der kein Gefolge. Immer­hin hat er den Buch­han­dels­preis gewon­nen für sein spä­tes Debüt »In Zei­ten des abneh­men­den Lichts« bei Rowohlt.

Ein gefei­er­tes Buch, sprach­lich fein, aber wohl auch nicht so groß wie seine Lor­bee­ren. Viel­leicht sollte man das im HHF bespre­chen. An dem gera­dezu win­zi­gen Stand des Ham­bur­ger Insti­tuts für Sozi­al­for­schung, der kaum mehr als eine Abseite ist, sitzt ein wei­te­rer klei­ner Mann mit Bart und Brille. Es ist zwar selt­sam, aber Jan-Philipp Reem­tsma zu pho­to­gra­phie­ren, ist unmög­lich. Zuviel Zurückhaltung.

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Alice Schwar­zers beste Freun­din ist Mar­ga­rete Mit­scher­lich, das erzählt sie Frank Schirr­ma­cher und einer gro­ßen Men­schen­traube am FAZ-Stand. Eva Mat­tes ist spä­ter dort, sie hat ein Buch geschrie­ben. Was wirk­lich schlimm ist, ist diese unglaub­li­che Mat­te­sche Schauspielerinnen-Aura, die auch noch im Zwi­schen­gang zu spü­ren ist. Wie auf der Bühne bei Peter Zadek damals, nur Jahre spä­ter und näher dran.

*

Ach, diese Eng­län­der. Da haben sie zwar Jahr­hun­derte die Welt kolo­ni­siert und ziem­lich viele Sachen mit nach Hause gebracht. Aber Geschmack haben sie. Der Direk­tor des Bri­tish Museum, Neil Mac­G­re­gor, trägt einen grauen Anzug aus der Jer­myn Street, Maß­schuhe und ent­spricht auch sonst der Vor­stel­lung des bri­ti­schen Gent­le­man. Er plau­dert gewitzt und gelehrt über sein denk­wür­di­ges Geschichts­buch »Die Geschichte der Welt in 100 Objek­ten«, ein so dicker Wäl­zer, daß er nicht auf den Coffee-Table paßt. Wie Dinge aus einem Museum ihre Geschichte erzäh­len, ist bemer­kens­wert und warum vor­her noch kei­ner auf diese Idee gekom­men ist, verwunderlich.

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Kleist­jahr ist ja auch. Sogar im Fern­se­hen. Da gibt es einen Trai­ler auf 3Sat, der auf einen Kleist­film zum Todes­tag hin­weist. Schluß­bild: Ein Mann, wohl die Kleist­fi­gur, sitzt mit einem Lap­top im Baum, dazu Kleist­briefe aus dem Off. Manch­mal sind Spar­ten­ka­näle auch nicht das Wahre. Wobei das anschließ­nde Gespräch mit Adam Soboczyn­ski und Gün­ter Blam­ber­ger, beide mit Kleist­ti­teln auf der Messe,  das reine Ver­gnü­gen an Ken­ner­schaft und Elo­quenz ist, sogar Mode­ra­to­rin Tina Men­delsohn ist gut informiert.

*

Zwei Tage nach der Piper-Party pos­tet Mat­thias Matus­sek auf Face­book: »Was für ein schö­ner stil­ler Mor­gen!« Er ist in der Bene­dek­ti­ner­ab­tei Maria Laach.

Ein paar der mit­ge­brach­ten Bücher
[Ama­zon Part­ner­links]:

Eugen Ruge:
In Zei­ten des abneh­men­den Lichts
Eva Mat­tes:

Wir kön­nen nicht alle wie Berta sein«:
Erin­ne­run­gen

Neil Mac­G­re­gor:
Die Geschichte der Welt in 100 Objek­ten

Adam Soboczyn­ski:

Kleist. Vom Glück des Unter­gangs

Gün­ter Blam­ber­ger:
Hein­rich von Kleist: Die Biographie

M. Schu­mann

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16. Januar 2012

»Das Thalia ist ein Geschenk.«

Drit­ter und letz­ter Teil des gros­sen HAMBURGER FEUILLETON-Interviews mit dem Thalia-Geschäftsführer und Autor Lud­wig von Otting

Dicke Personalakte: Ludwig von Otting beim Gespräch (Photo: Stefan Albrecht/HHF)
Dicke Per­so­nal­akte: Lud­wig von Otting beim Gespräch (Photo: Ste­fan Albrecht/HHF)

Im drit­ten Teil unse­res Inter­views äußert sich Lud­wig von Otting zu Ver­gan­gen­heit und Zukunft in der Ham­bur­ger Kul­tur­po­li­tik und beschreibt seine per­sön­li­chen Büh­nen­lei­den­schaf­ten. Unse­ren bereits ver­öf­fent­lich­ten 13-minütigen Interview-Film »Der Ermög­li­cher« fin­den sie auf die­ser Seite des HAMBURGER FEUILLETONS.

Stich­wort Ham­bur­ger Kul­tur­po­li­tik: Das muss natür­lich kom­men, wir haben eine har­tes Jahr hin­ter uns (Anmer­kung: Das Inter­view wurde im März 2011 geführt), mit den gan­zen Schau­spiel­haus­que­re­len, von ihnen stammt die­ses sehr def­tige Zitat mit dem »ros­ti­gen Nagel im Kopf«. Gab’s da ein Feed­back, kam da was zurück von der Behörde?
Nein, über­haupt nicht. So ein paar Behör­den­mit­ar­bei­ter haben mir zuge­flüs­tert, dass sie das Klasse gefun­den hät­ten. Aber das Zitat, das muss man dazu sagen, war gemünzt auf den Finanz­se­na­tor und auf kei­nen ande­ren,  von des­sen Haus­halts­di­rek­tor stammt eigent­lich die­ser Satz, dass er nicht ver­steht, warum die Staats­thea­ter Sub­ven­tio­nen brau­chen, wo der »König der Löwen« ohne Sub­ven­tio­nen auskommt.

Die rea­gie­ren nie auf so was. Ich weiß zwar, dass ich in der Kul­tur­be­hörde eine dicke Per­so­nal­akte habe. Frau von Welck hat mir mal irgend­wel­che pole­mi­schen Ver­feh­lun­gen vor­ge­hal­ten, die echt 15 Jahre zurück lagen, die in der Zei­tung damals zitiert wor­den waren. Das sam­meln die alles.

Ein Dos­sier von Otting?
Eine Per­so­nal­akte. Das ist ja erst mal ein nor­ma­ler Vor­gang. Und als ich erfuhr, dass ich eine habe – ich wusste das gar nicht – habe ich gebe­ten, sie mir zu zei­gen, und dann haben die mir dann die­ses dicke Ding vor­ge­legt. Dann hab ich gesagt, Leute, steckt’s wie­der weg, ich will’s gar nicht sehen.

Hat sich was ver­än­dert, wir haben eine Wahl gehabt? Ist die Krise jetzt vor­bei?
Sagen wir mal, wir haben ganz gute Chan­cen auf eine pro­fes­sio­nelle Behör­den­lei­tung, das macht erst ein­mal gute Laune. Aber was dar­aus wird, das weiß der liebe Him­mel. Ich bin da vor­sich­tig. Die Geschol­te­nen sind oft die die­je­ni­gen, denen man hin­ter­her am dank­bars­ten ist, und die von allen gehy­ped und geliebt wer­den, sind oft die, die man am wenigs­ten ach­tet, da habe ich schon sehr ver­schie­dene Sachen erlebt. Müs­sen wir mal abwarten

Ist die neue Kul­tur­se­na­to­rin Bar­bara Kis­se­ler so eine Art Hoff­nungs­trä­ge­rin für die Ham­bur­ger Kul­tur­szene?
Naja, die Hoff­nung wird ja, wenn man so will, vom Bür­ger­meis­ter getra­gen. Der hat tat­säch­lich der Kul­tur demons­tra­tiv den Rang ein­ge­räumt, zu sagen, ich brau­che da eine gute erste Beset­zung und hat das dann auch umgesetzt.Das macht einem schon Hoff­nung, wenn Kul­tur nicht das letzte Res­sort ist, wo sie mona­te­lang irgend­wen suchen und dann aus irgend­ei­nem Win­kel irgend­je­mand her­vor­zer­ren, der dann die­sen Job macht.

Da haben wir ja auch eine leid­volle Geschichte hier in Ham­burg …
Leid­volle Geschichte, ja. Man kann aber auch einen sehr tol­len Kul­tur­se­na­tor haben, über den man sich per­sön­lich schwarz ärgert, weil der viel­leicht andere Spar­ten oder Insti­tute bevor­zugt. Wir haben gott­sei­dank mit denen nicht soviel zu tun.

Um mal die Kir­che im Dorf zu las­sen, die Kul­tur­be­hörde muss ers­tens den Inten­dan­ten bestim­men alle 5 Jahre, dann ist das wich­tigste Kapi­tel abge­schlos­sen, und dann müs­sen die zusam­men mit dem Auf­sichts­rat dar­über wachen, das wir unser Geld anstän­dig aus­ge­ben, aber das ist eigent­lich auch nur ein dar­über wachen, und wenn wir das anstän­dig machen, dann mischen die sich auch nicht wei­ter ein.

Und dann gibt’s 3. immer mal  ein paar Son­der­pro­bleme, am Rande und drum herum, da gibt’s in der Behörde ein paar Leute, die sehr hilf­reich sind, die man fra­gen kann.

Da sind sicher etli­che kom­pe­tente Figu­ren in der Behörde, die haben halt in letz­ter Zeit nicht mehr sehr gut zusam­men­ge­ar­bei­tet, unter den ver­schie­de­nen Lei­tun­gen brach das alles ein und wurde immer grösser.

Frau von Welck hatte den Appa­rat noch­mal auf­ge­schwellt, für eine Mil­lion neue Stel­len  geschaf­fen – voll­kom­men wahn­sin­nig – das sind jetzt hun­derte von Men­schen in die­ser Behörde. Sie haben für jeden Staub­fus­sel ein eige­nes Refe­rat, ein Sekre­ta­riat und so, aber der Out­put ist eher überschaubar.

Nun gibt es offen­bar die Pläne, den Rie­sen­bal­lon, die Elb­phil­har­mo­nie, die­sen Etat viel­leicht in eine andere Behörde zu ver­la­gern. Das kann unter Umstän­den viel­leicht ent­las­ten …?
Das ist ja wurscht, wenn die das von der Brust­ta­sche in die Sei­ten­ta­sche oder in die Hosen­ta­sche schieben.

Ham­burg muss dafür zah­len, die müss­ten einen Betriebs­haus­halt her­zau­bern  und pro Jahr bestimmt einen zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag auf­brin­gen, um diese Insti­tu­tion über­haupt ver­nünf­tig zu führen.

Das ist schon ein enor­mes Kuckucksei, was sich die vorige Regie­rung da geleis­tet hat, ohne tat­säch­lich die Kos­ten zu über­bli­cken, ohne sie kon­trol­lie­ren zu kön­nen. Das ist hand­werk­lich das größte Desas­ter, von dem ich jemals aus so einer Nähe Kennt­nis genom­men habe.

Zurück zum Thea­ter – gibt es Stü­cke, die so rich­tig kle­ben geblie­ben sind über die Jahre?
Natür­lich eine ganze Reihe von Insze­nie­run­gen gibt es, die für mich per­sön­lich sehr wich­tig sind, und große Erleb­nisse waren. Es gibt jedes Jahr ein, zwei Insze­nie­run­gen die ich groß­ar­tig finde. Ich bin jemand, der ins Thea­ter geht und an irgend­ei­ner Ecke auf­ge­regt wer­den möchte. Ich möchte nicht beru­higt wer­den, nicht erho­ben wer­den, ich möchte eine Szene sehen, die mich total über­rascht, eine Figur sehen, die so ist, wie ich sie noch nie gese­hen habe in der Rolle.

Als Bei­spiel: Fritz Lich­ten­hahn als Zet­tel im Som­mer­nachts­traum von Gosch in 1987. Das war keine durch­ge­hend geglückte Auf­füh­rung, aber die­ser Fritz Lich­ten­hahn ist mir – da gibt es einen Mono­log von Zet­tel, wo der erwacht aus sei­nem Traum – der ist mir so unver­ges­sen, dass ich häu­fig – zuletzt übri­gens heute mor­gen – daran den­ken muss. Das ist einer der ganz gro­ßen Thea­ter­mo­mente mei­nes Lebens.

Dann kom­men natür­lich Arbei­ten von Flimm, sein Pla­to­nov, auch frü­her schon,  in der Gobert-Zeit, gab es Flimm-Aufführungen, »Sol­da­ten« und »Edu­ard II und so was, die für mich ein­fach zum Fun­dus des­sen gehö­ren, was meine Erin­ne­rungs­exis­tenz aus­macht.  Und dann Wil­son, natür­lich »Black Rider«, das ist für mich mein Pro­duk­ti­ons­groß­er­eig­nis gewe­sen, weil ich da auch per­sön­lich sehr stark am Zustan­de­kom­men betei­ligt war. Das geht hin bis zu Krie­gen­burg, von dem es groß­ar­tige Auf­füh­run­gen, wie »Die schmut­zi­gen Hände« oder »Das letzte Feuer« gab, die ich wahn­sin­nig geliebt habe.

Mit die bes­ten Auf­füh­run­gen von Krie­gen­burg waren in der Gauß­strasse, die hat, etwas poin­tiert gesagt, kein Mensch gese­hen, da gab es mal so eine Reihe von Kurzin­sze­nie­run­gen, das »Maga­zin des Glücks«, Texte von Dea Loher. Zum Bei­spiel der Mono­log, wo Mark­ward Müller-Elmau hin­ter einer Milch­glas­scheibe die Frau von Hel­mut Kohl gespielt hat, klingt nach einem schlech­ten Scherz, war’s aber nicht. Das war einer der bewe­gends­ten und berüh­rends­ten Momente, die Frau, die durch ihre Lich­tall­er­gie daran gehin­dert war, die Welt noch wirk­lich wahr zu nehmen …

Es gibt aber auch in die­ser Ägide Insze­nie­run­gen, die unge­heuer wich­tig sind, ich finde der »Woyzeck« von der Jette Ste­ckel ist so eine Auf­füh­rung. Ich bin sehr glück­lich, dass Luk Per­ce­val jetzt hier ist, des­sen »Ham­let«, des­sen »Othello«, sind  unfass­bar gute Auf­füh­run­gen. Ich kann mich immer wie­der neu ent­zün­den, des­we­gen bin ich am Thea­ter, weil ich mich so gern in Flam­men set­zen lasse, weil ich das genieße. Ich genieße es aber auch, wenn ich heu­len kann im Thea­ter. Wenn es rich­tig zur Sache geht, kön­nen sie mich Rotz und Was­ser heu­len sehen, und ich amü­siere mich auch­gerne. Ich liebe die Schau­spie­ler und die Regis­seure dafür, da geht so rich­tig mein gan­zes Herz­blut rein.

Bei die­ser Begeis­te­rung, wie wird das sein, wenn sie ein­mal nicht mehr direkt an so einem Haus arbei­ten, wird das schwer wer­den für sie?
Ich freu mich dar­auf, wenn ich mal end­lich Thea­ter sehen kann, ohne dafür immer ver­ant­wort­lich zu sein  oder es aus einem Kon­kur­renz­blick zu sehen. Ich geh jetzt schon sehr gern in andere Thea­ter, wo ich ein­fach ent­spannt was gucken kann, wo ich auch Insze­nie­run­gen sehen kann, die ich toll finde, wo aber die Leute raus­ge­hen in Scha­ren, was ja bei mir im Thea­ter doch ziem­li­che Kopf­schmer­zen macht, ich hab’s gar nicht gern, wenn die Leute die Auf­füh­run­gen hassen.

Thea­ter ist nicht immer Herz­blut, es ist auch manch­mal Galle, ich ärgere mich auch oft über unse­ren eige­nen Kram, ich genier mich oft in Grund und Boden und ich warte halt immer wie­der dar­auf, dass ich ange­zün­det werde, dass es mich zu Trä­nen rührt und das pas­siert auch immer wie­der. Ich bin  froh, wenn ich neue Insze­nie­run­gen sehe, Hand­schrif­ten ent­de­cken kann und neue Zugänge fin­den kann, zu Stü­cken die ich schon x-mal gese­hen habe

Gibt es noch andere Kol­le­gen, bei denen Kunst und Ver­wal­tung ähn­lich eng ver­zahnt sind.
Die haben alle irgend­wie ne kleine Nei­gung zur Kunst, mal mehr, mal weni­ger. Die meis­ten sind eher ein biss­chen tro­cken natür­lich, der Typus ver­hin­der­ter Künst­ler, der ich bin, der ist nicht der Regeltypus.

Wär das ein Job gewe­sen, wenn jemand gesagt hätte: Ret­ten sie das Schau­spiel­haus?
Das kam ja immer wie­der, Flimm hatte ja schon Ange­bote, das Schau­spiel­haus zu über­neh­men. Als ich so Mitte 40 war, hab ich gedacht, das wär eine Auf­gabe, inzwi­schen denk ich mir, das muss ich mir nicht mehr antun.

Das ist ein schwe­res Haus, oder?
Viel schwe­rer als das Tha­lia, das Tha­lia ist ja ein Geschenk. Das Schau­spiel­haus ist eine Auf­gabe, das Tha­lia ist ein Geschenk.

Ein schö­nes Schluss­wort. Vie­len Dank für das Gespräch!
Da nich für …

M. Schu­mann

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9. Januar 2012

Eherne Gesellen

Eine kurze Pole­mik zu einem kon­ser­va­ti­ven Begriff

Den Mutigen gehört die Welt, egal wie das Wetter ist. (Bild: Alfred Kubin, Todessprung, 1901)
Den Muti­gen gehört die Welt, egal wie das Wet­ter ist. (Bild: Alfred Kubin, Todes­sprung, 1901)

Da ist es wie­der, das »Stahl­ge­wit­ter«. In der Causa Gut­ten­berg zog es unver­mit­telt auf, der ein­same Kämp­fer stand im Trom­mel­feuer der Geschütze des Erb­fein­des, er stand eisern gegen den Geg­ner. Ein Held, bis heute im Felde unge­schla­gen geblie­ben ist. Eine Nich­tig­keit ist der Ansturm des Fein­des, so man auf­recht kämpft. Und erneut tobt die Schlacht in den Grä­ben – der Prä­si­dent der Repu­blik sieht sich in die­sem Unwet­ter die Stel­lung hal­tend und erwar­tet, daß das stäh­lerne Unwet­ter bald vor­über­zieht. Auch er ein Kämp­fer, ein Krieger.

Selt­sa­mer­weise sind es die wei­chen Män­ner, die öffent­lich Sanft­mü­ti­gen, die sich dem mar­ki­gen Wort hin­ge­ben. Der schwäch­li­che, unter der Dop­pel­be­las­tung von Fami­lie und Beruf ste­hende Ex-Verteidigungsminister genauso wie der ver­armte Recke Chris­tian Wulff, des­sen Finan­zie­rungs­jon­gla­gen so fremd­be­stimmt sind, wie sie nur sein kön­nen. In kon­ser­va­ti­ve­ren Zei­ten, in die diese Män­ner sich offen­bar hin­ein­den­ken, blieb dann in der Regel das Neben­zim­mer mit der gela­de­nen Mau­ser. Oder der Dolchstoß.

Nun sind wir glück­li­cher­weise eine Repu­blik, der es an sol­chen Mann­bar­keits­ri­ten man­gelt. Eine Sehn­sucht, zu zei­gen, daß es nach dem Ver­sa­gen noch männ­li­che Stärke gibt, scheint sich immer­hin noch in der bun­des­deut­schen Spra­che kon­ser­viert zu haben. Echte Hel­den eben. Ein kur­zer Blick in Ernst Jün­gers ers­tes Werk, das die­ses Wort prägte, spricht für das Selbst­ver­ständ­nis der geschla­ge­nen Kämpfer:

»Und doch hat auch die­ser Krieg seine Män­ner und seine Roman­tik gehabt! Hel­den, wenn das Wort nicht wohl­feil gewor­den wäre. Drauf­gän­ger, unbe­kannte, eherne Gesel­len, denen es nicht ver­gönnt war, vor aller Augen sich an der eige­nen Kühn­heit zu berau­schen. Ein­sam stan­den sie im Gewit­ter der Schlacht, wenn der Tod als roter Rit­ter mit Flam­men­hu­fen durch wal­lende Nebel galoppierte.«

Und dann sagte der »Unter­tan«, der Vater aller Spei­chel­le­cker Diede­rich Heß­ling: »Sach­lich sein, heißt deutsch sein«. Ja, ja.

M. Schu­mann

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